La cocina del peregrino

El Peregrino im spanischen Wortschatz, Pregrinus im Lateinischen. Pilger im hiesigen Sprachgebrauch. Ein Wort, das man vielleicht schon einmal gehört hat. Doch wofür steht dieser Begriff? Etwas, das im Folgenden versucht werden soll, zu beschreiben. Dass es dabei passieren kann, das Pilgern an sich aus eigener Sicht darzustellen, mag verständlich sein.

Was ist Pilgern?

Das Pilgern oder auch die Pilgerfahrt ist der Weg zu einem Ziel. Nun gleich, ob es ein einfacher Wallfahrtsort, ein Heiligtum oder ein Tempel sein mag. Dem Wandern mag das nicht unähnlich sein, allerdings geht mit dem Pilgern in der Regel ein religiöser Hintergrund einher.
Ob nun als auferlegte Buße oder um das Erfüllen eines Gelübdes...jeder hatte  seinen eigenen Anlass sich auf die Reise zu machen.
Ausgerüstet nur
mit dem Nötigsten trat man die Reise an, so kann man es den Beschreibungen der damaligen Zeit, als auch den Bildquellen entnehmen. Hier sei der Pilgerführer aus dem 12. Jahrhundert genannt und auch ein Bild aus der Maciejowski-Bibel.
Zu unserer Darstellungszeit (um 1250) gab es begehrte Ziele, zu denen Rom aber auch Jerusalem gehörte. Santiago de Compostela war wohl das begehrteste. Menschen machten sich dorthin auf den Weg, um das Grab von Apostel Jakob zu besuchen. Als Zeichen, das man sein Ziel erreicht hatte, nahmen die Pilger eine Jakobsmuschel mit nach Hause. Ein Zeichen für die überstandene Wallfahrt.
Jakobsmuschel
Und womit machte man sich nun auf die Reise?

Was wohl nie gefehlt hat, war ein Stab und die oft gesehene Pilgertasche. In der Predigt von Papst Calix wird auch die Bedeutung der beiden Dinge erklärt:

Der Stab ist anzusehen als Stütze und Hilfe für den Weg. Er symbolisiert den Glauben an die heilige Dreifaltigkeit. Quasi als dritten Fuß zur Unterstützung. Natürlich dient der Stab auch dazu die Feinde abzuwehren. Ob diese nun in Form von Wegelagerern, Hunden oder Wölfen zu finden gewesen sein mögen, hilfreich war der Stab sicherlich.

Die Pilgertasche wiederum soll die Freigiebigkeit in Almosen und die Abtötung des mit Lastern und Begierde beladenen Fleisches darstellen. Überraschend ist an dieser Stelle, dass diese Pilgertaschen nicht, wie an vielen Stellen gezeigt, ein Beutel aus Stoff sein müssen. Papst Calix spricht in der Predigt „Veranda dies“ davon, dass sie aus der Haut eines toten Tieres sein sollen. Damit ist anzunehmen, das diese Taschen aus Leder gewesen sind. Das Bild der Maciejowski-Bibel zeigt wiederum Pilger deren Taschen weiß, rot und blau sind. Über das Material schweigt sich das Bild leider aus. Wichtig aber ist, das die Tasche nicht verschlossen wird. Man erinnere sich an die Freigiebigkeit der Almosen.

Dazu kamen neben der normalen Kleidung mit Sicherheit noch ein Mantel und eine Kopfbedeckung, um Wind und Wetter zu trotzen. Ansonsten nahm man nur das Nötigste mit.

Im evangelischen Liederbuch im Lied 393 steht in der vierten Strophe:

Wer will, der trag sich tot“

Worte, die man schnell wieder im Gedächtnis hat, wenn man erst einmal aufgebrochen ist.        

RvRT

Ihr tragt selbst die Jakobsmuschel...

Das ist richtig. Vor einem Jahr ungefähr nahm mein Leben eine Wendung und dadurch mit der Zeit auch das, was ich nach außen hin sein möchte auf Märkten/Lagern/in der Darstellung. Es war an der Zeit, neue Kleider anfertigen zu lassen und da fiel das Augenmerk meiner Frau und mir auf die Pilger. Da Wandern etwas ist, an dem wir Freude gefunden haben, war es naheliegend, das als Darstellung zu wählen und somit unseren Pilgerweg zu beginnen.

Also begann die Zusammenstellung der Gewandung. Ein gut gefilzter Pilgerhut samt Muschel, für mich eine Kotte und ein Leinenhemd samt Beinlingen, für meine Frau ein Unterkleid mit dazu passendem Überkleid. Lederbeutel und Taschen wurden selbst angefertigt, ebenso wie unsere Pater-Noster-Schnüre. Schuhe waren bereits vorhanden.

Und so begann es dann bereits im Januar Anno 2015, dass wir als Pilger auf den Märkten aufgetaucht sind. Und immer wieder kam die Frage „Wart ihr schon in Santiago?“

Ehrlich gesagt...nein. Waren wir noch nicht. Aber angeregt durch diese Frage reifte der Gedanke, selbst aufzubrechen auf den Jakobsweg. Und das ist nun das große Ziel in diesem Jahr.
Aufzubrechen in Gewandung. Ausgestattet mit dem Nötigsten (man wird mir hoffentlich verzeihen, das ich aus gesundheitlichen Gründen auf modernes Schuhwerk zurück greifen muss, aber die Straßen sind leider nicht im Mittelalter stehen geblieben) brechen wir auf.

Unterwegs

Was ist das Nötigste?

Eine gute Frage, was denn nun das Nötigste ist. Aber man lernt im Laufe der Zeit, was denn alles wirklich gebraucht wird.
In meinem Fall wird das sein:

  • 1 Pilgerführer, Wanderkarten und die Pilgerausweise

  • Papiere wie Ausweis und Gesundheitskarte

  • Ein Pilgertagebuch und dazu gehöriges Schreibgerät

  • Wanderkarten

  • Mantel, Pilgerhut, 2 Kotten, 1 Hemd, Beinlinge und Bruche

  • Pilgertasche und Brotbeutel

  • Gürtel mit Lederbeutel/Tasche (Inhalt sind eine kleine Reiseapotheke, Nähzeug, Sonnencreme und Salbe für die sicherlich müden Füße) und etwas Essbesteck

  • Eine kleine Kamera für die Bilder, die man unterwegs einfangen will

  • Waschzeug, Kamm und Zahnbürste

  • Eine Kalebasse als Trinkflasche

Essen werden wir auf unserem Weg frisch kaufen und wir haben uns lange Gedanken gemacht, was wir mitnehmen (Auch ein Grund, dass meine Spiegelreflexkamera zu Hause bleibt und eine Pocketkamera mit auf die Reise geht). Insgesamt kommen wir auf 6-7KG Gewicht pro Person.

Für alle, die sich dafür interessieren, wie es uns auf der Reise geht, werden wir hin und wieder ein Lebenszeichen schicken. Der Einfachheit halber aber auf der Facebook-Seite der „La cocina del peregrino“. Wir würden uns freuen, wenn man uns so auch ein wenig begleitet. Was uns alles erwartet, wer uns begegnet und was wir erleben wissen wir selbst noch nicht. Es ist aufregend und vielleicht auch ein wenig der Geist der Pilger, der uns erfasst. Auf alten Spuren zu wandeln, das Unbekannte zu sehen, etwas zu erleben und das Erlebte zu teilen.

Die Reise startet für uns am 14. Juli 2015 auf einem Teilstück des Jakobswegs hier in Deutschland...aber eigentlich sind wir schon seit langem auf dem Weg. Wohin er führt? Sicherlich einmal nach Santiago de Compostela. Aber bis dahin....wohin die Füße uns tragen.

Ultreia!

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